Grußworte

Portrait DAVID MCALLISTER - Niedersächsischer Ministerpräsident
Foto: Niedersächsische Staatskanzlei

DAVID MCALLISTER

Niedersächsischer Ministerpräsident

Die Lebensqualität der Menschen wird unmittelbar von der gebauten Umwelt beeinflusst. Architektur und Städtebau prägen ganz wesentlich die menschliche Identität, den gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Weil wir unsere Städte und Gemeinden unter diesen Aspekten zukunftsfähig gestalten wollen, hat die Baukultur in unserer Landespolitik einen hohen Stellenwert. Der Niedersächsische Staatspreis für Architektur ist der wichtigste Baustein der Landesinitiative Baukultur in Niedersachsen und dokumentiert das Engagement der Landesregierung in besonderer Weise.

Baukultur ist mehr als nur architektonische Gestaltungsqualität. Sie umfasst alle kulturellen, ökonomischen, technischen, sozialen und ökologischen Fragestellungen, die die Qualität des Planens und Bauens bestimmen. Baukultur beeinflusst damit die Bereiche Städtebau, Architektur, Kunst, Ingenieurbau, Infrastrukturplanung, Konstruktion, Stadt- und Landschaftsplanung und Denkmalschutz. Sie schließt die Gebäudeerstellung und -bewirtschaftung ebenso ein wie die Planungsprozesse und verbindet diese im Idealfall zu einer Gesamtqualität.

Baukultur bietet nicht nur ganz konkrete Möglichkeiten, den eigenen Lebensraum unmittelbar zu beeinflussen, sondern sie signalisiert durch die Vielschichtigkeit ihrer städtebaulichen und architektonischen Ausprägungen auch gesellschaftliche Vielfalt und Offenheit.

In dem gegenwärtigen Veränderungsprozess der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es besonders wichtig, „Markenzeichen“ zu setzen, mit denen sich die Bürgerinnen und Bürger identifizieren können. Markenzeichen guter Architektur und gut gestalteter Umwelt – dies sollen die mit dem Niedersächsischen Staatspreis für Architektur ausgezeichneten Bauwerke sein. Der Preis soll darüber hinaus ein öffentliches Bewusstsein dafür schaffen, was gute Architektur im Zusammenspiel mit dem Städtebau für die Entwicklung unserer Städte und Gemeinden leisten kann.

Der Wettbewerb zeigt, wie viele engagierte Bauherren, Architektinnen und Architekten es in unserem Land gibt. Dass sie sich ihrer Verantwortung für uns und für unsere nachfolgenden Generationen bewusst sind, verdeutlichen die eingereichten, überzeugenden Entwürfe. Diese können und sollen zur Diskussion und vor allem zur Nachahmung anregen.

Die Jury hatte in diesem Jahr bei der Auswahl des Preisträgers keine leichte Aufgabe, da unter dem Titel „Bauen für Soziales, Gesundheit und gewerbliche Dienstleistungen“ sehr viele interessante und vor allem sehr differenziert zu beurteilende Beiträge eingereicht wurden.

Sehr gern bin ich dem Votum der Jury gefolgt, den Staatspreis für Architektur 2010 an das Gemeindezentrum und die Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover zu vergeben. Das Gebäude ist ein hervorragendes Beispiel für die zunehmende gesellschaftliche Aufgabe, geeignete und respektvolle Nachnutzungen für Kirchenbauten zu finden. Mit Mut und Ideenreichtum ist eine Kirchenumgestaltung gelungen, die hinsichtlich ihres Konzeptentwurfes, ihrer Beteiligungskultur in den Planungs- und Realisierungsphasen und in ihrer Ausführung über Niedersachsen hinaus Maßstäbe setzt.

Allen am Zustandekommen des Wettbewerbsergebnisses und der Dokumentation zum Staatspreis für Architektur 2010 Beteiligten möchte ich meinen Dank aussprechen.

Portrait WOLFGANG SCHNEIDER - Präsident der Architektenkammer Niedersachsen
Foto: Pressestelle AKNDS

WOLFGANG SCHNEIDER

Präsident der
Architektenkammer Niedersachsen

Die Initiative zur Auslobung eines Staatspreises für Architektur ging vor 15 Jahren von den Mitgliedern des Niedersächsischen Landtags aus. Seitdem wird der Niedersächsische Staatspreis für Architektur von allen Fraktionen mit getragen und insbesondere durch die engagierte Mitarbeit der Fraktionen in der Staatspreisjury unterstützt. Seit 2002 in Kooperation zwischen dem Land Niedersachsen und der Architektenkammer Niedersachsen vergeben, freue ich mich sehr darüber, dass wir den Staatspreis in diesem Jahr bereits zum fünften Mal gemeinsam vorbereitet und organisiert haben.

Architektur ist der Gesellschaft verpflichtet. Sie kann darum nicht unpolitisch sein. Sie ist öffentlicher und offensichtlicher Ausdruck dessen, wie sich eine Gesellschaft versteht. Offen oder verschlossen, selbstbewusst oder versteckt, laut oder leise, das Polaritätsprofil ließe sich beliebig fortsetzen. Wie wir bauen zeigt, was uns wichtig ist und was wir wollen.

Der Staatspreis darf also nicht einfach nachvollziehen oder nur Trends widerspiegeln. Er muss richtungsweisend sein, er darf provozieren und vor allem soll er die Menschen dazu bringen, über Architektur zu diskutieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Erinnern Sie sich an den Staatspreis 2004, der an ein Nahversorgungszentrum in Hannover-Marienwerder vergeben wurde? Oder an das herausragende Dokumentations- und Informationszentrum der Gedenkstätte Bergen-Belsen, das 2008 mit dem Staatspreis ausgezeichnet wurde? In jedem Fall ebenso mutige wie deutliche Entscheidungen der Jury, die zeigen, dass die Architektur in Niedersachsen am Puls der Zeit ist.

Der Niedersächsische Staatspreis für Architektur richtet mit seinen wechselnden Themen den Fokus auf beispielhafte Gebäude und Anlagen, die sich den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen und mit Kreativität und hoher baukünstlerischer Qualität einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung unseres Landes leisten.

Das 2010 gewählte Thema „Bauen für Soziales, Gesundheit und gewerbliche Dienstleistungen“ zeigt einmal mehr die Bandbreite aktuellen Bauschaffens in unserem Land: Insgesamt 47 Bewerbungen wurden eingereicht – von der Arztpraxis über den Altenheimbau und Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens bis hin zu multifunktionalen Gebäudekomplexen, die von Anbietern gewerblicher Dienstleistungen genutzt werden.

Mein Dank geht an alle, die am Zustandekommen des Staatspreises mitgewirkt haben, insbesondere an die Jury unter Vorsitz von Frau Almut Ernst aus Berlin. Mit dem Objekt „Gemeindezentrum und Synagoge“ der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover ist es gelungen, ein Bauwerk auszuzeichnen, das modellhaft für die zunehmende gesellschaftliche Aufgabe steht, geeignete und respektvolle Nachnutzungen für Kirchenbauten zu finden. Entsprechend positiv das Juryurteil: „Die neue Nutzung in diesem Gebäude, umgesetzt in einem offenen Dialog mit allen Beteiligten, bietet die Voraussetzung für eine große Akzeptanz und hohe Strahlkraft in das Umfeld.“

Unser erklärtes Ziel ist es, Architektur als Baukultur zu begreifen und als unterstützens- ebenso wie schützenswertes, selbstverständliches Kulturgut im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Daher ist uns die Öffentlichkeit sehr wichtig. Die hier vorliegende Dokumentation mit den Ergebnissen des Staatspreises sowie die Wanderausstellung, die an verschiedenen Orten des Landes gezeigt wird, leistet einen wichtigen Beitrag, die Diskussion über Architektur anzuregen und möglichst viele Menschen für die Architektur und Baukultur unseres Landes zu begeistern. Architektur schafft Identität, und Identität ist für ein funktionierendes Gemeinwohl unabdingbar.