Grußworte

Portrait Ministerpräsident Stephan Weil
Foto: Niedersächsische Staatskanzlei

STEPHAN WEIL

Niedersächsischer Ministerpräsident

Vor nunmehr achtzehn Jahren ergriff der Niedersächsische Landtag die Initiative zur Auslobung des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur. Wichtigstes Anliegen dieser Qualitätsoffensive war es, herausragende Leistungen im Bereich des aktuellen Bauschaffens auszuzeichnen. Damit sollten der Baukultur in Niedersachsen wertvolle neue Impulse verliehen werden.

Dieser Staatspreis ist die höchste Architekturauszeichnung des Landes. Der gemeinsamen Auszeichnung von Architektinnen, Architekten und Bauherren kommt ein besonderer Stellenwert zu. Sie zeigt, dass erst im qualitätsorientierten und vertrauensvollen Zusammenspiel beider Akteure Großartiges entstehen kann.

Der Niedersächsische Staatspreis für Architektur 2012 trifft mit seinem Thema „Weiterbauen im Spannungsfeld von Energieeffizienz und Gestaltqualität“ den Nerv der Zeit. Er fordert planerische und bauliche Lösungen ein für die Herausforderungen, vor denen Bauschaffende im 21. Jahrhundert stehen. Denn es geht darum, nachfrageorientiert im Bestand weiter zu bauen und die Anforderungen der Energiewende zu meistern. Es geht darum, unverwechselbare Qualitäten zu schaffen und das Gebaute auch nutzerfreundlich, bezahlbar und gemeinwohlorientiert zu gestalten.

Neubauten sind oft sehr spektakulär und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Faktisch machen sie aber nur einen Bruchteil des aktuellen Baugeschehens aus. Aus- und Umbauten, also das Bauen im Bestand, bestimmen hingegen den Baualltag. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, über eine Neubewertung des bereits Gebauten nachzudenken und seine spezifischen Qualitäten zeitgemäß weiter zu entwickeln.

Architektinnen und Architekten sind in besonderem Maße gefordert, wenn bereits Bestehendes aktuellen, neuen Erfordernissen angepasst werden muss. Um bei dieser Metamorphose des Bestandes zu einer eigenen, zeitgemäßen Ästhetik zu gelangen, erfordert es von allen Beteiligten sehr viel Sensibilität und Kreativität. Welch großes Potenzial hier in Niedersachsen vorhanden ist, zeigen die 42 Bewerbungen für den Staatspreis für Architektur 2012 eindrücklich. Ich danke an dieser Stelle allen, die mit ihren Beiträgen der Jury eine breitgefächerte Palette beeindruckender Projekte in Niedersachsen unterbreitet haben.

Der Erweiterungsbau der NYA Nordiska in Dannenberg überzeugt in allen Belangen. Es verwundert nicht, dass die Prämierung mit dem Niedersächsischen Staatspreis für Architektur 2012 durch einstimmiges Juryvotum erfolgte. Das große Engagement der Bauherren sowie das Vertrauen in die Genialität ihres Architekten schufen Zukunftsweisendes.

Den Firmensitz nicht zu verlagern, sondern im historischen Ortskern von Dannenberg zu erweitern, bezeugt Mut und das unternehmerische Bekenntnis zum Standort. Die Umsetzung beweist, dass durch innovative Planung den anspruchsvollen Nutzerinteressen voll entsprochen und dabei ein sensibler Umgang mit dem baukulturellen Kontext gepflegt werden kann. Der Neubau besticht durch seine Qualität, die ihn gegenüber seiner tradierten Umgebung in Gänze bestehen lässt. Dies ist beispielgebend für Niedersachsen und darüber hinaus.

Mein Dank gilt allen, die am Zustandekommen des Wettbewerbsergebnisses und der Dokumentation zum Staatspreis für Architektur beteiligt waren. Ich wünsche der Wanderausstellung zum Niedersächsischen Staatspreis für Architektur einen großen, öffentlichkeitswirksamen Erfolg.

Portrait WOLFANG SCHNEIDER - Präsident der Architektenkammer Niedersachsen
Foto: Pressestelle AKNDS

WOLFGANG SCHNEIDER

Präsident der
Architektenkammer Niedersachsen

Am 14. November 2012 haben wir den Niedersächsischen Staatspreis für Architektur zum sechsten Mal in Kooperation zwischen Land und Architektenkammer Niedersachsen vergeben. Die langjährige gute Zusammenarbeit zwischen unseren Institutionen gilt es an dieser Stelle hervorzuheben. Sie dokumentiert, dass es dem Land ein echtes Anliegen ist, die Belange von Architektur und Baukultur zu unterstützen. Seit achtzehn Jahren wird der Staatspreis von den Mitgliedern des Niedersächsischen Landtags mit getragen und durch die engagierte Mitarbeit der Fraktionen in der Staatspreisjury unterstützt. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich.

Der Staatspreis für Architektur in Niedersachsen ist ein gelungenes Instrument, die Diskussion über gesellschaftlich wichtige Themen anzustoßen, richtungsweisende Beispiele in die Öffentlichkeit zu bringen und die Menschen anzuregen, über Architektur zu diskutieren. Ich würde mir wünschen, die gute Zusammenarbeit mit dem Land in diesem Sinne noch lange fortsetzen zu können. Ziel unserer Bemühungen ist und bleibt es, gemeinsam mit der Landesregierung eine vorbildliche kontinuierliche Architekturpolitik zu installieren, die nach außen dokumentiert, dass sie Architektur und Baukultur wertschätzt und qualitätsvolle Leistungen auszeichnet.

Architektur soll bekanntlich vieles leisten: Sie soll Identität stiften; sie soll Imagefaktor eines Ortes sein; sie soll ökologisch und nachhaltig sein; sie soll in Zukunft bei der Lösung sozialer Probleme helfen – beispielsweise mit alters- und funktionsgerechtem Wohnungsbau. Das sind alles gewaltige Aufgaben.

Unser jährlich mit dem Land Niedersachsen durchgeführtes Symposium zur Baukultur hat 2010 mit dem Thema „Baukunst und Nachhaltigkeit in Zeiten des Klimawandels“ den Grundstein für den aktuellen Staatspreis gelegt. Wir fragten damals, welche Rolle die Baukultur im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit spielt. Die Anforderungen an das Bauen und an Bauwerke umfassen längst nicht mehr nur die Trias aus Gebrauchszweck, Konstruktion und Gestalt, vielmehr kommen heute Energieeffizienz und Nachhaltigkeit als bestimmende Faktoren hinzu.

Die Architektur entfaltet die größten Handlungspotenziale für eine nachhaltige Entwicklung und Gestaltung unserer Umwelt. Nur durch intelligente Entwurfsplanungen und Entscheidungen werden Ressourcen sparsamer eingesetzt, die Lebensdauer von Gebäuden verbessert und die Umweltwirkungen reduziert. Unsere verantwortungsvolle Aufgabe als Architekten ist es, angemessenen Lebens- und Arbeitsraum für die Menschen zu schaffen und dabei die Umwelt zu schonen.

Die zum Niedersächsischen Staatspreis für Architektur eingereichten Bewerbungen dokumentieren eindrücklich, dass es in unserem Land beispielhafte Lösungen gibt, die gestalterische Qualität und energetische Standards ganzheitlich erfüllen. Die Staatspreisjury hatte keine leichte Aufgabe, aus den insgesamt 42 Bewerbungen geeignete Objekte für die Engere Wahl zu bestimmen, nach deren erfolgter Bereisung eine Auswahl für den Staatspreis zu nominieren und schließlich den Preisträger zu ermitteln.

Ich möchte mich besonders bei den Jurymitgliedern und allen, die am Zustandekommen des Staatspreises mitgewirkt haben, für ihr Engagement bedanken. Über das Ergebnis unseres Staatspreises bin ich sehr glücklich. Die Erweiterung des Firmensitzes der NYA Nordiska in Dannenberg ist – zusammengefasst – der gebaute Ausdruck dessen, was aus einer gelungenen Zusammenarbeit von Architekt und Bauherr entstehen kann. Die Architektur braucht Leuchttürme, um wahrgenommen zu werden. Und wenn diese Leuchttürme Gelegenheit haben, tatsächlich weites Land zu erhellen – wie es im Fall der Stadt Dannenberg, Teil der Samtgemeinde Elbtalaue im Landkreis Lüchow-Dannenberg, der Fall ist –, strahlen sie identitätsstiftend in eine ganze Region. Nachhaltiger kann Architektur nicht sein.