Engere Wahl: Marktkirchplatz, Clausthal-Zellerfeld

Marktkirchplatz, Clausthal-Zellerfeld
Foto: Rolf Feuerhahn

Adresse

An der Marktkirche 3, 38678 Clausthal-Zellerfeld

Bauherrin

Samtgemeinde Oberharz Bergstadt Clausthal-Zellerfeld, Clausthal-Zellerfeld

Entwurfsverfasser

r+b landschaft s architektur | Dipl.-Ing. Sonja Rossa-Banthien & Dipl.-Ing. Jens Rossa, Freie Garten- und Landschaftsarchitekten DWB BDLA, Dresden

Weitere Beteiligte

Boschloos Landschaftsarchitekten BDLA, Dipl.-Ing. Yves Boschloos, Essen-Kettwig (Bauleitung) / SCHMITZ SCHIMINSKI Partner GbR, Langer, Hildesheim (Lichtplanung)

Fertigstellung

Oktober 2012

Fotos

Rolf Feuerhahn | Thomas Wolf 

URTEIL DER JURY

Der Marktkirchplatz Clausthal-Zellerfeld liegt an der Kreuzung zweier wichtiger Nord-Süd- und Ost-West-Querungen durch den Harz. Seine Umbauung mit Rathaus, Oberbergamt und Hauptsitz der Universität untermauern seine Bedeutung. Spätestens ab den 1990er Jahren entsprach der bauliche Zustand nicht mehr seiner zentralen Funktion, der Platz verlor an Aufenthaltsqualität sowie prägende Nutzungen wie den Wochenmarkt. 2009 wurde schließlich ein Wettbewerb ausgelobt für die Platzgestaltung sowie den Entwurf eines Infogebäudes mit Gastronomie und kleinem Veranstal- tungsraum. Dies ist insofern bemerkenswert, als die im strukturschwachen Harz liegende Gemeinde etwa 50 % ihrer laufenden Haushaltsmittel aus dem Bereich Straßenbau dafür aufwenden musste.

Die Investition hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt: Die Landschaftsarchitekten haben einen weiß-grauen Teppich aus Granit ausgerollt, auf dem die ebenfalls renovierte Marktkirche in historischem Blau leuchtet. Animiert durch dieses einfache und zugleich überzeugende Konzept, trat die Universität auf den Plan. Selbstlos hat der Präsident sein Dienstzimmer geräumt, an dessen Stelle jetzt ein Eingang zum Platz liegt.

Entscheidend für das Projekt war ein zwischen Wettbewerb und Realisierung eingeschobenes Beteiligungsverfahren, in dessen Folge das Nutzungskonzept verfeinert und einige Materialien verbannt wurden. Die wohltuende Reduktion auf nur ein Material ist also Geist des Bürgersinns und Beleg dafür, wie Beteiligung und hochwertige Gestaltung sich hervorragend ergänzen können.

Der 2012 fertig gestellte Platz ist heute aus einem Guss. Abgesetzt durch feine Materialnuancen werden Teilbereiche für Veranstaltungen, ein Baumfeld aus Ulmen, ein kleines Wasserspiel mit historischer Reminiszenz ausgewiesen. Auch der wöchentliche Markt findet wieder auf seinem angestammten Platz statt.

Anstelle der Rasenfläche in der nordöstlichen Platzecke sollte ein kleiner Pavillon mit belebenden Nutzungen entstehen. Die Fläche wirkt wie eine grüne Wunde, die schnellstmöglich geheilt werden sollte.

Der Marktkirchplatz in Clausthal-Zellerfeld ist ein herausragendes Beispiel für andere Kommunen in strukturschwachen Regionen, die sich ebenfalls um eine eindeutige Mitte ihrer Stadtgesellschaft bemühen.

STÄDTEBAULICHE MERKMALE

Der Marktplatz ist Mittelpunkt der historischen Kernstadt der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld. Es dominiert die imposante Holzkirche „Zum Heiligen Geist“. Die Platzfläche wird vom Oberbergamt, TU-Hauptgebäude, Pfarramt und Rathaus begrenzt.

GESTALTUNGSMERKMALE

Nördlich der Kirche ist eine Veranstaltungs äche in die Platz äche integriert. Sie vereint Freiluftbühne, Stadtmöbel, Fest- und Kirchenplatz. Sitzstufen sind unmittelbar vor dem TU-Gebäude installiert. Südlich der Kirche dient ein mit Bäumen bestandener Raum den Marktnutzungen.

NUTZUNGSMERKMALE

Neugestaltung eines innerstädtischen Platzes um eine Kirche. Die Marktflächen und der nahe Einzelhandel ergänzen einander, ebenso die unterschiedlichen öffentlichen Gebäude im Umfeld.

IDENTITÄT

Revitalisierung eines zentralen Platzes um eine Kirche.

Marktkirchplatz, Clausthal-Zellerfeld
Foto: Thomas Wolf
Marktkirchplatz, Clausthal-Zellerfeld
Foto: Thomas Wolf