Grußworte

CORNELIA RUNDT

Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

Portrait CORNELIA RUNDT - Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Foto: Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

Der Niedersächsische Staatspreis für Architektur gewährt der interessierten Öffentlichkeit alle zwei Jahre einen umfassenden Einblick in das aktuelle Baugeschehen in Niedersachsen. Als höchste Architekturauszeichnung des Landes bewertet er die städtebauliche, gestalterische und nutzungsspezifische Qualität der eingereichten Projekte.

In diesem Jahr wurde er bereits zum elften Mal verliehen, davon zum achten Mal in Kooperation mit der Architektenkammer Niedersachsen. Eine Zusammenarbeit, die sich bewährt hat.
Die große Resonanz, immerhin sechsundneunzig Bewerbungen, ist auch Ausdruck des hohen Standards, den das Bauwesen und die Baukultur in Niedersachsen erreicht haben.

In diesem Jahr stand der Wettbewerb unter dem Thema "Bauen für die Öffentlichkeit". Ein Thema, das durchaus eine hohe Brisanz enthält, wenn man sich die kontroversen Debatten angesichts öffentlicher Bauten in Erinnerung ruft. Umso mehr hat mich das breite Spektrum der eingereichten Arbeiten beeindruckt. Es reicht von beispielgebenden Freiraumgestaltungen über spannende Museums- und Wissenschaftsbauten und einer, zwischen Vergangenheit und Zukunft vermittelnder Gedenkstätte bis hin zur lebendigen Kindertagestätte und einem innovativen Rathausneubau. Die Beiträge überzeugen durch die kreative Symbiose zwischen Erscheinungsbild und Nutzungsqualität.

Architektinnen und Architekten vermitteln zwischen den Belangen des öffentlichen Raumes und privaten Bedürfnissen. Sie weiten an der Nahtstelle vom Privaten zum Öffentlichen den Blick vom Einzelgebäude zum städtebaulichen Zusammenhang. Der "Zwischen-Raum" von innen und außen wird dadurch definiert, gegliedert sowie funktional und emotional gestaltet. So kann eine Atmosphäre entstehen, in der nachhaltig soziale Strukturen gedeihen. Das ist ein Aspekt, der mir als Bau- und Sozialministerin in Niedersachsen besonders am Herzen liegt.

Die vielen hochwertigen eingereichten Arbeiten haben die Arbeit der Jury nicht einfach gemacht. Insbesondere bei den Preisträgerinnen und Preisträgern sowie den Nominierungen gilt: Die planerische Qualität, die architektonische Umsetzung und die öffentliche Wirkung der prämierten Projekte sind herausragend und beispielgebend.

So besticht das Siegerprojekt, das UNESCO Weltkulturerbe Mariendom Hildesheim insbesondere durch die präzise Reflexion des Ortes und seiner reichen Historie bei gleichzeitiger Auseinandersetzung mit zukünftigen Erwartungen und Ansprüchen. Die gezielten Eingriffe in die Bausubstanz, die mit größter Sorgfalt ausgewählten, hochwertigen Materialien und zeitgemäß reduzierten Formen erschaffen einladende, nutzerfreundliche Räume. Die Neugestaltung des Domhofes belebt das umgebende Quartier. Nach einem langjährigen Planungs- und Bauprozess verbindet sich Altes und Neues harmonisch miteinander. Es gelingt den Architekten, Landschaftsarchitekten und Bauherren ein einzigartiges Gesamtensemble zu schaffen, das seine Umgebung überzeugend aufwertet.

Allen am Zustandekommen des Wettbewerbs und seiner Ergebnisse Beteiligten danke ich für ihr Engagement. In gleicher Weise gelten mein Dank und meine Anerkennung den mutigen Bauherren mit ihren Architektinnen bzw. Architekten. Erst eine intensive und vertrauensvolle Kommunikation zwischen diesen Partnern im Planungs- und Bauprozess lässt qualitativ Hochwertiges und sozial Vielfältiges entstehen. Sie alle tragen mit ihrem hohen Anspruch dazu bei, die Baukultur in Niedersachsen stetig weiter zu entwickeln.

Die vorliegende Dokumentation gibt einen Überblick über die eingereichten und ausgezeichneten Arbeiten. Unter anderem im Rahmen einer Wanderausstellung in Niedersachsen werden die Projekte der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir ausdrücklich, dass die guten Beispiele zur Nachahmung anregen.

Als niedersächsische Bauministerin bin ich überzeugt, dass mit den ausgezeichneten Projekten Planerinnen, Architekten und zukünftige Bauherren nachhaltige Impulse erhalten und zugleich interessierte Bürgerinnen und Bürger in eine Diskussion über baukulturelle Themen und die Gestaltung des öffentlichen Raumes eintreten.

WOLFGANG SCHNEIDER

Präsident der Architektenkammer Niedersachsen

Portrait WOLFGANG SCHNEIDER - Präsident der Architektenkammer Niedersachsen
Foto: Pressestelle AKNDS

Die Verleihung des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur ist, bei aller Routine, immer wieder neu und besonders. Wenn er mit seinen zwanzig Jahren auch den Kinderschuhen entwachsen ist und in guter Tradition seit 2002 gemeinsam von Land und Architektenkammer Niedersachsen vergeben wird, erzeugt doch jeder Staatspreis aufs Neue eine eigene Dynamik und damit verbunden spannende Aufgaben und Herausforderungen für alle Beteiligten.

Beim Staatspreis 2016 bestanden diese zunächst in einer Erneuerung des Verfahrens. Wir wollten den Staatspreis auffrischen, modernisieren und einen noch größeren Interessentenkreis ansprechen. Dafür haben wir eine eigene Website auf die Beine gestellt (staatspreis-architektur.de), eine ausschließlich im Online-Verfahren durchgeführte Bewerbung umgesetzt, und das Verfahren zeitlich gestrafft. So kam es am 1. Juni, mit nur eineinhalb Jahren Abstand, zur Verleihung des 11. Niedersächsischen Staatspreises für Architektur durch Ministerin Cornelia Rundt im Alten Rathaus von Hannover.

2014 entwarfen die Berliner Künstler Hansjörg Schneider und Daniel Lordick die neue Staatspreis-Plakette, die seit 2016 die Grundlage des neuen, vom Büro designagenten.com entwickelten Corporate Design ist und sich als grafische Struktur durch alle Print- und Online-Materialien des Staatspreises zieht.

Nicht zuletzt glückte 2016 auch die Wahl des Staatspreis-Themas: "Bauen für die Öffentlichkeit". Mit diesem Schwerpunkt haben wir sehr bewusst einen weiten Bogen von Bauaufgaben gespannt: von Kita über Bibliothek und Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens bis hin zu multifunktionalen Gebäudekomplexen und Freiflächengestaltungen, die öffentlich zugänglich sind.

Die schwierige Aufgabe der Staatspreis-Jury 2016 wurde also von vielen Faktoren bestimmt. Geleitet hat uns der Anspruch, dass die eingereichten Projekte beispielhaft sein sollen und mit Kreativität und hoher baukünstlerischer Qualität einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung unseres Landes leisten müssen. Architektur ist qualitätsvoll, wenn sie die Menschen und den Ort bestmöglich einbezieht, wertige Materialien verwendet, flexible Grundrisse bereithält, nachhaltig, umweltgerecht und natürlich gut gestaltet ist. Dabei betreffen Baukultur und Architektur Staat und Gesellschaft im Ganzen, denn Gebäude schaffen Identität, und Identität ist für ein funktionierendes Gemeinwohl unabdingbar.

Der Staatspreis ist ein gelungenes Instrument, die Diskussion über gesellschaftlich wichtige Themen anzustoßen, richtungsweisende Beispiele in die Öffentlichkeit und damit ins Gespräch zu bringen.

Insgesamt 96 Bewerbungen waren eingegangen - ein Rekordergebnis, das uns sehr freut und den eingeschlagenen Weg bestätigt. Vielen Dank an dieser Stelle.

Danken möchte ich außerdem allen Beteiligten, ganz besonders den Mitgliedern der Jury unter Vorsitz von Architekt Prof. Stefan Rettich: Sie haben sich für das mehrstufige Auswahlverfahren mehrere Tage aus ihrem Alltag ausgeklinkt und konzentriert den Blick auf das Baugeschehen in Niedersachsen gerichtet. Genau dies macht den besonderen Reiz des Staatspreises aus: über einen längeren Zeitraum und mit einer durchaus heterogen besetzten Jury Architektur zu erleben und in intensiven Gesprächen und Diskussionen gemeinsam zu neuen Erkenntnissen und Einsichten darüber zu gelangen.

Elf Projekte wurden so zunächst für die Engere Wahl bestimmt und von der Jury besichtigt. Am Ende war das Votum einstimmig. Gemeinsam mit dem Bauherrn Domkapitel Hildesheim wurden Schilling Architekten aus Köln und Hahn Hertling von Hantelmann, Landschaftsarchitekten aus Hamburg für die Sanierung und Modernisierung des UNESCO-Weltkulturerbes Mariendom Hildesheim mit Dommuseum und Annexbauten ausgezeichnet. Ein Projekt von immenser Bedeutung, realisiert in einem langjährigen Planungs- und Bauprozess, an dem Architekten, Landschaftsarchitekten und Bauherren gemeinschaftlich um die optimale Lösung rangen. Entstanden ist ein einzigartiges Gesamtensemble, das Aufmerksamkeit weit über Hildesheim hinaus erzielt. Ein Meilenstein für die Baukultur in Niedersachsen.